Traumasensible Beziehungsarbeit

Das Angebot traumasensible Beziehungsarbeit richtet sich an Paare, konsensuelle nicht-monogame Beziehungskonstellationen und Eltern. Menschen, die durch diese Beziehung oder durch Situationen mit dem*der Partner*in in Emotionen geraten, die sie überwältigen und sie gefühlt außer Kontrolle bringen. Es richtet sich an Menschen, die immer wieder in ähnlichen Situationen Impulse bekommen, wie zum Beispiel Fluchtimpulse, unverhältnismäßige Wut oder in Erstarrung zu fallen.

Die Begegnung in der Therapie geschieht unter der Sicht von Bindungs- und Entwicklungstraumata. Die Folgen dieser Art von Traumata prägen die Persönlichkeit und damit auch die Art und Weise, wie eine Person Kontakt zu anderen gestaltet, Nähe erlebt und in Beziehung mit sich selbst sowie mit dem*der Partner*in geht. Diese nahen Beziehungen können ein Gefühl der Verbundenheit und Sicherheit schaffen. Gleichzeitig können daraus Dynamiken entstehen und sich verfestigen, die auch verletzten oder destruktiv sind, sowohl für die Person selbst als auch für die Beziehung. Da diese Reaktionen auf Traumafolgen zurückzuführen sind, kann es sein, dass sich eine Person in bestimmten Situationen und Beziehungsdynamiken hilflos und machtlos fühlt und nicht mehr weiß, wie sie mit sich selbst oder dem*der Partner*in umgehen soll. Der Druck, einerseits die Verbundenheit und Sicherheit aufrecht erhalten zu müssen und anderseits doch etwas ändern zu wollen, kann zu einem Stress führen, der die Wahrnehmung der Situation und der eigenen Gefühle verzerrt. Dies führt immer wieder in eine Sackgasse und verstärkt das Gefühl der Hilflosigkeit.

In den gemeinsamen Sitzungen wird Raum für ein Verständnis der Dynamiken und Verhaltensweisen geschaffen. Es geht darum, die Art und Weise, wie mein*e Partner*in reagiert und sich verhält, als Traumafolge zu verstehen und dafür Anerkennung und Akzeptanz zu schaffen. Denn, auch wenn solche Reaktionen und Verhaltensweisen als destruktiv und schmerzhaft empfunden werden, stellen sie für die betroffene Person in dem jeweiligen Moment oft den einzigen Weg oder die einzige Strategie dar, um mit dem plötzlichen hohen Stress umzugehen und sich davor zu schützen – Stress, dessen Ursprung in einer traumatisierenden Erfahrung, meist aus der Kindheit, liegt.

Im therapeutisch sicheren Rahmen wird versucht, all das, was sich meistens innerhalb von Sekunden abspielt, zu entschleunigen. Das ermöglicht, bewusst zu erleben, was in jedem*jeder vor sich geht. Zum einen wird dadurch möglicher Stress und Druck aushaltbarer. Und zum anderen hilft es zu sortieren, welche Anteile und Verletzungen aktiv sind, was zur eigenen Vergangenheit gehört, was zur gegenwärtigen Beziehung etc.

Durch diese neuen Erfahrungen können sich Möglichkeiten zeigen, die sich für die Beziehung und für die eigenen Bedürfnisse stimmiger anfühlen. Traumatherapeutisch wird in kleinen Schritten daran gearbeitet, einen anderen Umgang mit Überwältigungsgefühlen zu erlernen. Gleichzeitig wird sich auch damit befasst, den hohen Stress, der mit den Situationen einhergeht, zu reduzieren und gegebenenfalls aufzulösen.

Das Angebot richtet sich an Personen, die mit ihrer Beziehungsperson eine Vertrauensbasis haben und deren Beziehung von gegenseitigem Wohlwollen geprägt ist. Für Personen, die kein Vertrauen zur Beziehungsperson spüren, sich von ihr bedrängt fühlen oder deren Beziehung hochstrittig ist bzw. kurz vor einem Ende steht, ist dieses Angebot nicht geeignet. Der Grund dafür ist, dass traumasensible Arbeit nur in einem Umfeld möglich ist, das von Vertrauen geprägt ist und in dem ein ausreichendes inneres Sicherheitsgefühl besteht.